Eingeschränkte Revision (KMU-Revision)

Der Prüf- oder Revisionsbericht ist aber auch das "Sprachrohr" des Prüfers. Allfällige Mängel und Aussagen in der Jahresrechnung, welche beim Berichtsempfänger zu falschen Schlüssen bezüglich wirtschaftlich richtiger Beurteilung des Unternehmens führen können, müssen offengelegt werden. Bei Uneinigkeiten zwischen Leitungsorgan und Prüfer bezüglich Bilanzierung von bestimmten Sachverhalten oder Bilanzpositionen wird bei der KMU-Revision in den meisten Fällen durch Korrektur der Jahresrechnung eine für beide Seiten vertretbare Lösung gefunden. Es kann aber auch sein, dass Meinungsverschiedenheiten nicht ausgeräumt werden können und der Prüfer so nicht darum herum kommt seine Feststellungen im Bericht offen zu legen. Je nach Sachverhalt und Situation bedient sich der Prüfer dabei standardisierten Einschränkungs- oder Aussagemöglichkeiten, wie

Eingeschränkte Prüfungsaussage:  Die Jahresrechnung als Ganzes oder einzelne Teile davon entsprechen im ersten Moment nicht dem Gesetz und den Statuten. Mit einer kurzen Darlegung und der Auswirkungen der Mängel kommt der Prüfer zum Schluss, dass die Jahresrechnung als Ganzes trotz Einschränkung bzw. nach Offenlegung der Mängel noch dem Gesetz entspricht. Diese Konstellation ergibt sich in der Regel, wenn der Prüfer aufgrund seiner Einschätzung eine eindeutig andere Meinung bezüglich Bewertung und/oder Bilanzierung von wesentlichen Sachverhalten in der Jahresrechnung hat. Eine gewisse Bandbreite von Interpretationsmöglichkeiten ist somit überschritten und der Prüfer kommt zum Schluss, dass der Empfänger des Berichts dies wissen muss, um keine falschen Schlüsse oder Meinungen bezüglich der wirtschaftlichen Situation des Unternehmens oder einzelner Bilanzpositionen zu bekommen. Die Jahresrechnung entspricht mit Ausnahme der gemachten Einschränkung aber immer noch Gesetz und Statuten. Diese Variante kommt relativ oft vor, da der Prüfer grundsätzlich eine vorsichtigere und gläubigerschutzorientiertere Grundhaltung hat als der Prüfkunde selber, der primär nach kaufmännischen Überlegungen handelt.

Verneinende Prüfungsaussage: Der Prüfer kommt zum Schluss, dass bestimmte Sachverhalte und/oder die Jahresrechnung als Ganzes eindeutig falsch und nicht gesetzteskonform dargestellt werden. Diese Mängel sind bezüglich Gesamtbilds zur wirtschaftliche Situation des Unternehmens so grundlegend, dass diese mit einer einfachen Einschränkung zur Prüfungsaussage nicht mehr genügend offengelegt und "geheilt" werden können. Die Jahresrechnung entspricht nicht mehr Gesetz und Statuten. In der Praxis ist diese Variante die Ausnahme. Meistens können solche Mängel doch soweit korrigiert werden, dass schliesslich ein Bericht mit "nur" noch eingeschränkter Prüfungsaussage möglich ist.

Keine Prüfungsaussage: Der Prüfer kann sich objektiv kein Urteil über die Jahresrechnung als Ganzes bilden. Es fehlen wichtige Informationen, die nicht oder nicht innerhalb von nützlicher Zeit beigebracht werden können. Es kann auch sein, dass eine Jahresrechnung sehr viele Mängel oder Unsicherheiten aufweisst, die z.B. in einer Startphase des Unternehmens gar nicht ausgeräumt werden können. Der Prüfer ist nicht in der Lage eine Prüfungsaussage zu machen. In der Praxis ist diese Variante zwar selten, aber kann durchaus vorkommen und muss nicht unbedingt als nur schlecht interpretiert werden. Der Prüfer darf sich jedoch mit dieser Variante nicht einfach aus der Verantwortung ziehen wollen. Die Gründe, dass keine Prüfungsaussage abgegeben werden kann, müssen stichhaltig, betriebswirtschaftlich nachvollziehbar und einleuchtend sein.