Eingeschränkte Revision (KMU-Revision)

Bei der Informationsbeschaffung geht es um die Erlangung von Kenntnissen über das zu prüfende Unternehmen. Nur wenn der Prüfer die unternehmensspezifischen Stärken und Schwächen in Erfahrung bringt und sich auch mit branchenspezifischen Eigenheiten des Prüfkunden auseinandersetzt, kann er eine effiziente und sinnvolle Prüfung durchführen. Der Prüfer gewinnt seine Informationen über Befragungen, erste Sichtung und Beurteilung der Jahresrechnung, Internetpräsenz des zu prüfenden Unternehmens bzw. der zu prüfenden Organisation, Handelsregisterinformationen, Firmendokumentation, Organigramme über Aufbau- und Ablauforganisation, Risikoanalyse des Leitungsorgans, Angaben eines allfälligen externen Treuhänders und allgemeine Eindrücke. Wichtig ist, dass sich der Prüfer aufgrund der vielen Informationen ein unabhängiges und eigenes Bild über das zu prüfende Unternehmen verschafft. Es ist Aufgabe des Prüfers eine gewisse kritische Grundhaltung zu haben. Auch wenn alles bestens aussieht und alle Gesprächspartner nur positiv reden, heisst das noch lange nicht, dass auch alles in Ordnung ist. Der erfahrene Abschlussprüfer kann/muss auch unternehmerisch denken und sucht nicht primär das Haar in der Suppe, er bleibt aber kritisch und versucht unternehmerische Schwachstellen und Risiken, die Einfluss auf wichtige Aussagen in der Jahresrechnung haben können, mit eigener objektiven Einschätzung aufzudecken. Anlässlich der Informationsbeschaffung versucht der Abschlussprüfer auch Verbesserungspotentiale aufzudecken, denn so kann er dem Kunden mit seiner Erfahrung im Bereich rund um die finanzielle Führung und Rechnungslegung einer KMU einen zusätzlichen Nutzen bringen. Dies gilt auch für den allgemeinen handels- und steuerrechtlichen Bereich (Rechnungslegung, Steueroptimierung, Compliance) sowie das Risk-Management.

Beispiele von unternehmens- und branchenspezifischen Risiken, die der Prüfer bei seiner eigenen Risikoeinschätzung beachten muss:

  • Schlechte Margen, Anzeichen einer negativen Liquiditätsentwicklung aus dem operativen Geschäft
  • Langfristige vertragliche Verpflichtungen
  • Abhängigkeiten von grösseren Kunden oder/und Lieferanten
  • Garantierisiken
  • Ungenügendes Projektmanagement, schlechte Kostenermittlung
  • Grosser Investitions-Nachholbedarf bei materiellen und immateriellen Betriebsmitteln (Anlagen, Know-how, etc.)
  • Qualitätsprobleme, ungedeckte Haftungsrisiken
  • Häufige Mitarbeiterwechsel, Inkonsistenz

Der Abschlussprüfer konzentriert sich auf Risiken, die kurz- und mittelfristiger Natur sind und zu einer Falschaussage in der Jahresrechnung führen können. D.h., die Folgen solcher Risiken sind eine negative Beeinflussung der finanziellen Situation des Unternehmens, welche unter Umständen bereits in der Jahresrechnung zum Ausdruck kommen müsste. Dem Abschlussprüfer geht es in erster Linie um den korrekten Ausweis der Passiven bzw. Verbindlichkeiten in der Bilanz und im Anhang. Per Definition richtet er sich dabei nach dem anerkannten Abgrenzungsgrundsatz, der auch in Art. 959 Abs. 5 OR des Rechnungslegungsrechts zur Anwendung kommt. Bei der Risikoanalyse des Abschlussprüfers besonders zu beachten sind auch allfällige im Anhang ausweispflichtige Eventualverpflichtungen. Dabei handelt es sich um rechtliche oder tatsächliche Verpflichtungen, bei denen ein Mittelfluss entweder als unwahrscheinlich erscheint oder in der Höhe nicht verlässlich geschätzt werden kann.

Längerfristige und strategische Unternehmens-Risiken sind für den Prüfer grundsätzlich von untergeordneter Bedeutung. Ebenfalls sind Risiken bezogen auf nicht erkannte Geschäftsopportunitäten, falsch eingeschätzte Zukunftsperspektiven oder Veränderungen im Marktumfeld, die nicht direkt beeinflusst werden können, aus Abschlussprüfersicht grundsätzlich nicht relevant. Die richtige Einschätzung solcher Risiken obliegt einzig und alleine dem Leitungsorgan des Unternehmens.