KMU-Management (Unternehmensführung/ Geschäftsführung)

Gemäss Art. 727 Abs. 1 Ziff. 1 OR unterliegt eine Aktiengesellschaft der Pflicht einer umfassenden Revision (ordentliche Revisionspflicht), wenn in zwei aufeinander folgenden Geschäftsjahren zwei der nachstehenden Grössen überschritten werden:

  • Bilanzsumme von 20 Millionen Franken
  • Umsatzerlös von 40 Millionen Franken
  • 250 Vollzeitstellen im Jahresdurchschnitt

Wenn eine Gesellschaft der ordentlichen Revisionspflicht unterstellt ist, muss die Revisionsstelle gemäss Art. 728a OR prüfen, ob ein internes Kontrollsystem (IKS) existiert und dieses indirekt auch in ihre Prüfungshandlungen einbeziehen. Ein gut aufgebautes und funktionierendes IKS erhöht den Gütegrad der ausgewiesenen Zahlen und erlaubt der Revisionsstelle bzw. dem Wirtschaftsprüfer den Prüfungsumfang einzuschränken. Ein IKS wird somit zwar nicht direkt gesetzlich vorgeschrieben aber gewissermassen indirekt als vorhanden (bzw. notwendig) erachtet.

Ziel des internen Kontrollsystems ist - durch organisatorische Vorkehrungen und verbunden mit eingebauten systematischen Kontrollmechanismen - innerhalb der entscheidenden Werte- und Informationsflüsse, wie z.B. Umsatz > Debitoren > Zahlungseingang Kunde oder Einkauf/Beschaffung > Wareneingang > Rechnungszahlung, Fehler zu vermeiden. Mit dem IKS soll eine zuverlässige und korrekte Abwicklung der finanzrelevanten Prozesse sichergestellt werden. Dies zum vollständigen, korrekten Ausweises der Geschäftsvorfälle im Jahresabschluss (externe Berichterstattung) sowie den weiteren Führungsinformationen (interne Berichterstattung) und letztendlich auch zum Schutz des Geschäftsvermögens.

Ein IKS lässt sich in der Regel nach Schweizer Prüfungsstandard 890 in folgende Bestandteile, bzw. Kontrollkomponenten einteilen:

  • Kontrollumfeld
  • Risikobeurteilungsprozess des Unternehmens
  • Rechnungslegungsrelevante Informationssysteme, damit verbundene Geschäftsprozesse und Kommunikation
  • Kontrollaktivitäten
  • Überwachung der Kontrollen

Durch eine systematische und prozessorientierte Abwicklung der Geschäftsvorfälle von A bis Z sollen auch die diesbezügliche Effektivität (tatsächliche Zielerreichung) und Effizienz (Zielerreichung mit möglichst tiefem Aufwand) gesteigert werden.

Bei grösseren KMU's ist ein gut ausgebautes internes Kontrollsystem für die Corporate Governance unerlässlich und wird im "Swiss Code" auch ausdrücklich verlangt. Das IKS erlaubt auch eine systematische Überprüfung von rechtlichen Aspekten in den Geschäftsabläufen und ist so ebenfalls ein Teil der Compliance-Massnahmen.

Wichtig beim internen Kontrollsystem ist, dass die nachhaltige Durchführung von konkreten Kontrollen gewährleistet ist. Es reicht nicht aus die Prozesse und Systeme nur zu beschreiben. Der Integration und gleichzeitig auch zweckbedingten klaren Abgrenzung der IKS-Kontrollmassnahmen von anderen nahen und überschneidenden Kontroll-Tätigkeiten -in Bereichen wie ERP-System, Managementsystem und Qualitätssicherungssystemen - sind besondere Beachtung zu schenken.