KMU-Accounting nach neuem Rechnungslegungsrecht

Die handelsrechtlichen Vorschriften zur Buchführung und Rechnungslegung bilden die Grundlage der finanziellen Berichterstattung und Rechenschaftsablage für jedes Unternehmen und für jede Organisation in der Schweiz. Beim gesetzlichen Grundkonzept der Rechnungslegung wird der Gläubiger- und Kapitalschutz einem Performance orientierten Ansatz vorgezogen.

Dies ist im Sinne der wohl meisten KMU's und erlaubt eine vorsichtige Bilanzierung und die Bildung von Reserven. Das Grundkonzept des Accounting's entspricht so grundsätzlich auch guter KMU Governance, die auf eine nachhaltige und stabile Generierung von Werten ausgerichtet ist.

Kritiker des CH-Rechnungslegungsrechts (RLG) bemängeln immer wieder die Transparenz und die ausdrückliche Möglichkeit der Bildung von stillen Reserven. Es ist unbestritten, dass bei grösseren Unternehmen, wo Kapitalgeber nicht direkt in die Unternehmensführung oder Aufsicht eingebunden sind, mittels klarer und betriebswirtschaftlich aussagekräftiger Berichterstattung den Bedürfnissen der Anleger, Investoren, aussenstehenden Anteilsinhabern und generell Minderheiten Rechnung getragen werden muss. Dies gilt ebenfalls bei Non-Profit Organisationen, Genossenschaften oder grossen Vereinen. Jahresrechnungen, die nach einem betriebswirtschaftlichen Ansatz und "True and Fair View" ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der wirtschaftlichen Lage vermitteln sind ebenfalls besser geeignet als Führungs- und Kontrollinstrument. Nach den eigentlichen gesetzlichen Vorschriften ist somit für die Art der Rechnungslegung primär entscheidend, wer die Adressaten sind und was diese für spezifische Informationsbedürfnisse haben.

Dank einem modularen Aufbau kann das CH-Rechnungslegungsrecht allen Bedürfnissen gerecht werden. So werden auf unterster Ebene allgemein anerkannte Grundsätze ordnungsmässiger Buchführung klar stipuliert. Diese Grundsätze - welche beim Einsatz von ERP-Systemen manchmal etwas vergessen werden - bilden die Grundlage für die Umsetzung des je nach weiteren Vorschriften und Informationsbedarfs anzuwendenden Rechnungslegungskonzeptes.

Qualität und Aussagefähigkeit der CH-Rechnungslegung kann in folgende aufbauende Stufen unterteilt werden:

  1. Vorschriften des Obligationenrechts, insbesondere Artikel 958 folgende
  2. Rahmenkonzept und Kern-FER 1-6 der Swiss GAAP FER (Kern-FER)
  3. Swiss GAAP FER (SGF)
  4. Andere vom Bundesrat anerkannte alternative Standards zur Rechnungslegung