Konkursaufschub (Art. 725a OR)

Ergibt sich aus der Bilanz einer Aktiengesellschaft (sowie ebenfalls GmbH oder Genossenschaft) eine Überschuldung – dies bei Bewertung sowohl zu Fortführungs- als auch Liquidationswerten – und sind keine sofortigen Sanierungsmassnahmen, wie zum Beispiel der Einschuss von neuen Mitteln oder ein Rangrücktritt durch einen Gesellschaftsgläubiger, möglich, muss das Leitungsorgan beim zuständigen Gericht eine Überschuldungsanzeige machen.

In der Praxis ergibt sich eine Überschuldungssituation in der Regel nicht von einem Tag auf den andern. Vor der Überschuldung hat das Unternehmen meistens ein Ertragsproblem und vor diesem wohl auch ein strategisches Problem, welches sich aus einer schlechten Einschätzung des unternehmerischen Umfelds und seiner Produkte bzw. Leistungen ergeben hat. Die Vermögenssubstanz nimmt so schleichend ab (man zerrt von den Reserven) und das Unternehmen bekommt früher oder später unweigerlich grössere Liquiditätsprobleme. Oft ignorieren gerade erfolgreiche Unternehmen gewisse Alarmsignale und eine nachhaltige Verschlechterung der Geschäfte und Wettbewerbsfähigkeit. 

Wenn in einer Unternehmenskrise die Eigentümer die Möglichkeit haben mit Einschuss von neuen Mitteln und geeigneten weiteren Massnahmen die Situation zu korrigieren, kann die Krise meistens schnell und ohne grösseren Schaden überwunden werden. Da eine Krise selten alleine kommt, haben die Eigentümer des Unternehmens oft gerade auch in dem Zeitpunkt Probleme auf Ebene ihrer privaten Vermögenssituation, wenn zusätzliche Mittel dem eigenen Unternehmen zur Verfügung gestellt werden sollten. Vielleicht hat man auch bereits seit längerer Zeit kontinuierlich Einschüsse gemacht und will nun nicht das Risiko eingehen, am Ende alles verlieren zu können. Das ist die typische Situation einer KMU-Krise, wo man sich plötzlich mit dem Rücken zur Wand befindet. In diesem Moment bleiben im Prinzip drei Handlungsoptionen offen:

  1. Die Erwägung eines Nachlassverfahrens nach Art. 293 ff SchKG (Schuldbetreibungs- und Konkursgesetz)
  2. Überschuldungsanzeige mit gleichzeitigem Antrag/Gesuch auf Konkursaufschub
  3. Überschuldungsanzeige mit Erwartung der Konkurseröffnung durch den Richter

Die zweite Möglichkeit ist effektiv nicht besonders bekannt und wird wohl zuwenig als gangbaren Weg in Betracht gezogen. Das ist sehr schade, denn der Gesetzgeber sieht mit Art. 725a ausdrücklich auch die Möglichkeit eines Aufschubs des Konkurses vor. Dies ist ein Weg, der komplett ausserhalb der eher komplizierten und sehr formellen Möglichkeiten des SchKG (Nachlassverfahren) beschritten werden kann. Man muss sich jedoch auch keine falschen Illusionen machen und davon ausgehen, dass der Konkursaufschub immer möglich ist. Die Grundidee dieser Gesetzesvorschrift ist einzig den Konkurs einer Gesellschaft zu vermeiden, wenn deren Sanierung auch möglich  erscheint. Der Aufschub ist so ein Moratorium und erlaubt dem überschuldeten Unternehmen mit „Einfrierung“ der alten Schulden über einen gewissen Zeitraum, sich finanziell wieder zu erholen und die zwangsweise und definitive Liquidation durch den Konkurs zu vermeiden.